Fushimi Inari-Taisha

#70 Kyoto – die alte Kaiserstadt

Mit dem Shinkansen nach Kyoto

Von Tokyo aus nahmen wir den Shinkansen Schnellzug nach Kyoto. Die japanischen Bullett Trains sind die vermutlich weltweit besten. Sie sind garantiert pünktlich, sicher und fahren auf dieser Strecke im 20-Minuten-Takt. Doch auch im Zug ist es bequemer, als z. B. im ICE. Man hat fast schon zu viel Beinfreiheit, einen Tisch und Steckdosen. Die Toiletten sind, wie überall in Japan, penibel sauber. Im Gegensatz zu anderen öffentlichen Verkehrsmitteln in Japan, ist das Essen und Trinken im Shinkansen gestattet. Es gibt auch diverse Speisen und Getränke zu kaufen. Wie überall im öffentlichen Raum ist der respektvolle Umgang miteinander das A und O. Wie auch in den anderen Öffis Japans sollte man sich nur sehr leise unterhalten. Telefonieren ist nur zwischen den Waggons erlaubt. All dies macht den Shinkansen zur bequemsten und effizientesten Art der Fortbewegung.

Für die gut 450 km braucht dieser nur 2:40 Stunden. Es gibt sogar eine noch schnellere Variante. Diese konnten wir aber nicht mit dem Japan Railpass fahren. Der Railpass ist quasi eine Zug-Flatrate für einen bestimmten Zeitraum. In diesem können alle Züge der Japanese Railways genommen werden (bis auf die genannte schnellste Variante des Shinkansen). Wir hatten uns zusätzlich noch kostenlos einen Sitzplatz reserviert. Uns wurde geraten, auf dieser Strecke unbedingt auf der rechten Seite zu sitzen. Man bekäme so einen tollen Blick auf Mt. Fuji. Doch dafür war es für uns wohl entweder zu neblig oder wir haben eine falsche Information bekommen.

Railpass

Unsere Unterkunft in Kyoto

In Kyoto angekommen, hatten wir unsere vermutlich schönste Unterkunft. Ich wollte unbedingt in einem traditionellen, japanischen Ryokan schlafen. Doch diese sind wirklich, wirklich teuer. 😀

Die von uns gefundene Unterkunft kam hier aber recht nah dran. Das Beste war jedoch, dass die vier Eigentümer wirklich cool waren. Bei ihnen handelte es sich um einen Freundeskreis, etwa in unserem Alter, der selbst öfters schon gereist war. Wir wurden super herzlich, mit einem Tee, empfangen und mit einer Stadtkarte und vielen Tipps ausgestattet.

Arashiyama Bambuswald

Am nächsten Tag liehen wir uns in der Unterkunft Fahrräder aus. Nachdem man uns die schönste Route zu unserem Ziel in unsere Stadtkarte eingezeichnet hatte, ging es für uns los.

Fahrradtour

Wir fuhren entlang eines Flusses zum Arashiyama Bambuswald. Wir waren ganz begeistert, wie viele Kinder und Erwachsene am Flussufer Sport trieben. Ein Baseballteam war dagegen eher von den weißen Touristen auf Fahrrädern angetan. 😀 Wir erklärten ihnen mit Hand und Fuß, wohin wir unterwegs waren. Nach etwas weiterem Smalltalk ging es weiter. Dort wurden wir aber erstmal durch unzählige chinesische Reisegruppen überrascht. Hier war echt die Hölle los. Wir mussten uns wirklich durch die Massen quetschen.

Daikoku-ji Tempel

Nun verstanden wir auch, warum unser Host uns empfohlen hatte, von hier aus etwas weiter zu einem Tempel zu fahren. Bei seinem Tipp handelte es sich aber nicht um irgendeinen Tempel. Der 1.200 Jahre alte, buddhistische Daikoku-ji Tempel ist der Haupttempel der buddhistischen Schulrichtung Shingon-Shu. Außerdem beherbergt das Tempelgelände eine alte kaiserliche Villa und einen tollen Park mit See. Die Villa ist etwas abgeschieden und ganz und gar nicht touristisch. Neben uns waren vielleicht noch eine Handvoll Anwohner auf dem Gelände. Das war ein gutes Kontrastprogramm zum Bambuswald.

Onsen

Den Abschluss der Fahrradtour bildete ein Besuch in einem traditionellen Onsen. Alles, was das Thema Sauberkeit betrifft, haben die Japaner einfach drauf. Dementsprechend sind ihre Badehäuser, die Onsen,  überragend. Auch der von uns besuchte Onsen wurde uns von der Unterkunft empfohlen. Er soll der beste der Region sein. Neben mehreren heißen Quellen, diversen Bademöglichkeiten, Sauna und Eisbad gab es sogar ein Jetbad, welches einen mit elektrischen Schocks therapiert. Während man durch Wasserdüsen massiert wird, werden elektrische Schocks durch das Wasser geleitet, die die Muskulatur entspannen und die Blutzirkulation fördern sollen. Hier hätte ich den gesamten Tag verbringen können.

Da in Onsen ein strenges Textilverbot herrscht und man zwingend nackt sein muss, sind selbstverständlich auch Bilder verboten. Ich habe aber für alle Interessierten den Link zur Homepage des Badehauses hier eingefügt. Diese zeigt einen interaktiven Grundriss mit allen Bädern (inkl. Bildern) und deren Beschreibung. Wer übrigens ein solches Etablissement besuchen möchte, sollte über folgende Regeln Bescheid wissen:

  1. Keine Kleidung
  2. Keine Tattoos
  3. Keine Gespräche (falls notwendig, leise)
  4. Vor dem Betreten der Becken duschen
  5. Männer und Frauen baden getrennt
  6. Schuhe bleiben draußen

Nach dem Baden gibt es einen Bereich, an dem man sich rasieren und föhnen kann. Hier gibt es auch kostenlos Zahnpasta, diverse Pflegecremes und Wattestäbchen.

Wer etwas extra bezahlen möchte, kann noch eine Massage genießen oder im Restaurant schlemmen. 🙂

Matsuri

Am nächsten Tag hatten wir eigentlich einen Ruhetag eingeplant. Unsere Hosts sahen aber, dass wir die Einzigen waren, die tagsüber in der Unterkunft geblieben sind. Sie fragten uns, ob wir sie denn nicht begleiten wollen. In ein paar Minuten würde es draußen einen Straßenumzug geben. Dabei handelt es sich um ein Matsuri – ein Shintofest, bei dem das Hauptheiligtum eines Schreins durch die Straßen getragen wird.

Umzug

Der tragbare Schrein, in dem sich das Heiligtum befindet, wird auf zwei riesigen Holzbalken von dutzenden Männern geschultert. An diesen Balken sind Glocken befestigt, die beim Wackeln klingen. Daher schütteln die Männer den kompletten “Minischrein”, so stark sie können, durch. Dabei schreien alle Beteiligten immer wieder “stärker, stärker, stärker!”. Durch das Schütteln soll wohl, laut unseren Gastgebern, das Heiligtum auf die Männer abfärben und deren Wünsche erfüllen.

Sobald der Zug ein Restaurant passiert, dürfen die verschwitzten Männer ihre schmerzenden Schultern ausruhen. Es gibt kostenlose Verpflegung, bis es mit anderen Männern weiter geht.

Umzug

Sakura

Im Beitrag über Tokyo habe ich ja bereits über die Kirschblüte, Sakura, berichtet. Trotzdem darf die Blüte auch in Kyoto nicht fehlen. Kyoto ist berühmt für seine Kirschblüten und zählt zu den besten Plätzen Japans, um diese zu betrachten.

Fushimi Inari-Taisha

Der Abschluss unseres Besuches in Kyoto bildete ein Besuch des Fushimi Inari-Taisha Schreins, der auch als Fuchs-Schrein bekannt ist. Er ist der meistbesuchte Shinto Schrein Japans und dem Kami Inari gewidmet. Inari ist die Gottheit der Fruchtbarkeit, des Reises und der Füchse, weshalb sie auch meist als Fuchs abgebildet wird.

Inari

Doch nicht die Fuchs-Statuen machen den Schrein so berühmt. Es sind die Tausende Torii, die sich auf dem Gelände befinden. Beim Bau des Schreins soll wohl nach Investoren für das Torii gesucht worden sein. Es meldeten sich aber so viele, dass unzählige der Tore gebaut wurden und nun einen Weg zwischen dem Hauptschrein und vielen kleineren bilden.

Hauptschrein

Der Weg führt dabei knapp zwei Stunden einen Berg hinauf und wieder herunter. Die Strecke hat es ganz schön in sich und besteht hauptsächlich aus Treppenstufen. Trotzdem wird man neben dem Anblick der  Torii noch durch die schöne Aussicht belohnt. 🙂

Aussicht

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