Annapurna

#66 Vorbereitungen für den Annapurna Circuit

Wandern im Himalaya, vor allem auf dem Annapurna Circuit, ist sicherlich für viele ein Traum. Damit dieser Traum nicht zum Albtraum wird, teilen wir hier unsere Erfahrungen. Als wir in Kathmandu angekommen sind, waren wir recht ahnungslos und voller Fragen. Als wir dann online diverse Blogs durchforstet haben, fragten wir uns nur, worauf wir uns hier einlassen. Von Beiträgen, die hinter jedem Baum einen Kriminellen sehen, bis zu Leuten, die ihren kompletten Haushalt auf eine “Packliste” gepackt haben, findet man alles. Diese Fragen und angebliche Probleme versuche ich hier für euch zu klären.

Brauche ich einen Guide oder Porter?

Schon am Flughafen in Kathmandu wurden wir von einem Guide abgepasst, der uns die Strecke zeigen wollte. Obwohl für uns klar war, dass wir, dem Abenteuer wegen, den Treck auf eigene Faust erkunden wollten, schaffte er es, Zweifel an diesem Plan zu wecken. Er erzählte uns von Wanderunfällen und von Wanderern, die beim Trecking im Himalaya abgestürzt oder von einer Lawine begraben wurden, von den Gefahren einer Höhenkrankheit und von überfüllten Unterkünften. Aus seiner Perspektive schien eine Wanderung ohne Guide wie ein Todesurteil.

Hier kann ich euch auf jeden Fall beruhigen. Zumindest auf dem Annapurna Circuit ist ein Guide völlig unnötig. Der Weg ist durch einen rot-weißen Pfeil gekennzeichnet und man kann sich quasi nicht verirren. Falls doch etwas sein sollte, kann so gut wie jeder, wenigstens etwas, Englisch sprechen. Auch mit ausgebuchten Unterkünften werdet ihr keine Probleme haben. Es gibt mehr als genug Auswahl. Wer einen gesunden Menschenverstand besitzt, braucht auch keine Angst vor dem Tod auf dem Circuit haben. Gebiete, in denen es potentiell Lawinen geben könnte, sind nicht frei gegeben. Außerdem finden sich alle paar Dörfer TIMS-Checkpoints, wo ihr euch einen Stempel abholen müsst. Dies dient zu euer Sicherheit. So kann garantiert werden, dass alle Wanderer ankommen. Auch bzgl. der Höhenkrankheit sind überall Schilder zur Aufklärung und Warnung. Selbst vor den viel zitierten Räubern und Kriminellen kann ich Entwarnung geben. Der Treck ist sicher! Die komplette Region lebt vom Tourismus und kann sich solche Imageschäden nicht leisten. Außerdem befinden sich einige Militärstützpunkte in der Nähe der Route, weshalb man ab und zu sogar Soldaten begegnet. Wer sich an die Regeln hält, wird auch ohne Guide eine sichere und schöne Erfahrung haben. Der einzige Vorteil eines Guide wäre für uns die Benennung von Bergen gewesen. Allerdings wollten wir uns nicht abhängig von einem Führer machen und so unsere Freiheit beim Wandern eingrenzen.

Selbiges gilt für Porter. Die meisten Gepäckträger, die wir gesehen haben, laufen nicht direkt bei den Wanderern mit, da sie ein anderes Tempo haben. Man muss also schon vorher das Dorf und die Unterkunft festlegen. Dies schränkt einen aber sehr, in der Freiheit zu wandern, ein. Was, wenn ich mich fit fühle und weiter wandern will oder mir ein Dorf unterwegs so sehr gefällt, dass ich dort bleiben möchte?

Außerdem sollte doch jeder, der einen Treck in dieser Schwierigkeitsstufe wandert, seinen Rucksack selbst tragen können.

Welche Jahreszeit eignet sich am besten?

Prinzipiell sind Frühling und Herbst die besten Jahreszeiten für den Treck. Der Winter (Dezember – Februar) ist meist so kalt und schneereich, dass sogar viele Einheimische ihre Häuser aufgeben und drei Monate in Kathmandu leben. Dies berichtete uns eine Familien im Tal, also auf 1.700 Höhenmetern. Dementsprechend schlimmer sieht es in den Höhen aus. Tatsächlich sind diese Höhen meist, wegen erwähnter Lawinengefahr, zu dieser Zeit geschlossen.

Im Sommer (Juni – August) hingegen ist Monsunzeit in der Region. Durch den vielen Regen und die Eisschmelze treten Flüsse und Bäche nicht selten über die Ufer und machen den Treck wesentlich schwerer. Allerdings muss man dazu sagen, dass ein Großteil des Annapurna Circuits im Regenschatten der großen Berge liegt. Dadurch ist er angeblich trotzdem der beste Wanderweg für diese Jahreszeit.

In Manang haben wir eine Statistik, in einem TIMS-Checkpoint, gesehen, die die Besucherzahlen auf die einzelnen Monate aufschlüsselt. Hier ist deutlich zu erkennen, dass Frühling und Herbst deutlich die beliebtesten Zeitspannen sind.

Besucherstatistik

Welche Dokumente benötige ich?

Vor dem Wandern ist ein Gang zum Tourism Board in Kathmandu ein Muss. Dort bekommt man kostenlos viele gute Informationen und eine Höhenkarte. Außerdem werden dort die Zulassungsdokumente für das Trecking beantragt. Für den Annapurna Circuit benötigt man eine Eintrittsgenehmigung für das Annapurna Schutzgebiet sowie den TIMS-Pass für die erwähnten Checkpoints. Für die Beantragung braucht man vier Passbilder und einen Nachweis für eine Krankenversicherung. Die Passbilder können aber auch vor Ort aufgenommen werden. Wer eines mitbringt, kann es dort auch einfach drei mal kopieren lassen.

Dokumente

Außerdem sollte man immer seinen Reisepass mit gültigem Visum mitführen und besagten Nachweis über die Krankenversicherung.

Wer übrigens Drohnenaufnahmen vom Treck machen möchte, benötigt laut Civil Aviation Authority of Nepal nochmal drei (!) verschiedene Genehmigungen von unterschiedlichen Institutionen. Früher konnte man sich zwar wohl noch ohne diese durchschummeln, doch heute sieht es anders aus. Durch erwähnte Militärbasen und die unzähligen Tempelanlagen gibt es viele Drohnengegner auf dem Circuit. So wurde uns von Haft- und sehr empfindlichen Geldstrafen erzählt. Deswegen sind wir auch ohne Drohne gewandert.

Kann ich Ausrüstung vor Ort kaufen und was brauche ich wirklich?

Zu allererst: Ihr solltet so wenig mitnehmen, wie möglich. Schließlich müsst ihr alles tragen. Julianes Rucksack war 8 kg schwer, meiner 10. Viel mehr würde ich euch nicht empfehlen, da es das Wandern wirklich erschwert. Falls ihr, wie wir, noch in anderen Ländern unterwegs seid und unnötige Kleider dabei habt, könnt ihr diese in eurem Hotel in Kathmandu hinterlegen. Die meisten übernehmen diesen Service kostenlos, wenn man vor und nach dem Wandern in diesem Hotel nächtigt.

Was braucht man denn nun wirklich? Die zwei meist diskutierten Gegenstände in Kathmandu, auf dem Circuit und in diversen Facebookgruppen sind definitiv Crampons (quasi Schneeketten für Schuhe) und Schlafsäcke. Keines davon braucht ihr wirklich, solange ihr nicht in den Wintermonaten unterwegs seid. In jeder Unterkunft könnt ihr, wenn nötig, nach einer zweiten Decke fragen oder eure Daunenjacke mitnutzen.

Wenn ihr Wanderstöcke habt, braucht ihr auch keine Crampons. Wir sind über den Thorong La -Pass nach einem der schneereichsten Winter der Geschichte gewandert – ohne Crampons und ohne Probleme. Nutzt einfach eure Wanderstöcke und nehmt das Tempo in vermeintlich gefährlichen Situationen raus.

Das Problem beim Packen ist, dass ihr wirklich für jede nur erdenkliche Situation gewappnet sein müsst. Wir waren Temperaturen von knapp 30°C bis -16°C ausgesetzt. Die beste Taktik ist daher der Zwiebellook.

Was wir mitgenommen haben war (pro Person) :

  • ein Set Thermounterwäsche
  • zwei Paar Wandersocken
  • ein Paar dicke Schafsocken
  • drei Paar Unterwäsche
  • eine Jeans
  • eine wind- und wasserdichte Softshellhose
  • einen Gürtel! (habe auf dem Treck 6 kg abgenommen)
  • eine kurze Hose
  • eine Badehose (für Thermalquellen)
  • zwei T-Shirts
  • ein Fleece
  • ein Schal
  • eine Mütze
  • ein Paar Handschuhe
  • eine wind- und wasserdichte Daunenjacke
  • ein Regenmantel
  • ein Paar Wanderstöcke
  • ein Paar wind- und wasserdichte Wanderschuhe
  • eine Sonnenbrille
  • ein Rucksack inkl. Regencover
  • eine Trinkflasche
  • ein Mikrofaserhandtuch
  • Chlortabletten zur Wasserreinigung
  • Kohletabletten
  • Hygieneartikel und Seife
  • Sonnencreme
  • Lippenbalsam
  • Höhenkarte
  • erwähnte Dokumente
  • Kamera und Ladegerät
  • Handy und Ladegerät
  • eine Powerbank
  • eine Stirnlampe
  • Spielkarten für Zeit ohne Strom und Internet
  • Genug Bargeld!

Juliane würde im Nachhinein noch einen kleinen Reiseföhn mitnehmen, da ihre nassen Haare nach dem abendlichen Duschen ewig nicht trocknen wollten und ihr daher nachts manchmal kalt war.

Kathmandu Peace Home

Bis Manang könnt ihr quasi alles, was ihr vergessen habt, nachkaufen. Ansonsten haben wir jeden Abend beim Duschen unsere dreckigen Kleider gewaschen und am nächsten Tag, am Rucksack hängend, getrocknet. Dies hat super für uns funktioniert. Einen Steckdosenadapter hatten wir zwar dabei, hätten wir aber nicht gebraucht, da die Unterkünfte diverse Steckdosen für unterschiedliche Stecker haben. Wer auf Nummer Sicher gehen will, sollte aber einen Adapter mitnehmen.

Alle genannten Dinge bekommt ihr übrigens in akzeptabler Qualität und zu günstigen Preisen in Kathmandu zu kaufen. Am besten geht ihr hierfür in den Stadtteil Thamel. Beim Kauf ist euch niemand böse, wenn ihr den Gegenstand gut testet. Pustet auch mal auf die winddichte Jacke oder checkt die Nähte eurer Hose und den Kleber eurer Schuhe. Wenn irgendwas nicht sauber aussieht, geht direkt zum nächsten Laden. Auswahl gibt es genug. Und nicht das Handeln vergessen. 😉

Mit oder gegen den Uhrzeigersinn?

Wandert den Circuit ganz klar gegen den Uhrzeigersinn! So habt ihr bei der Überquerung von Thorong La Pass ca. 1.000 Höhenmeter in einer Etappe hochzuwandern und danach ca. 1.600 Höhenmeter runter. Das ist schon eine mega Herausforderung. Wandert ihr aber mit dem Uhrzeigersinn, lauft ihr das andersherum und das ist fast nicht machbar. Startet daher am besten in Besisahar.

Wie komme ich nach Besisahar?

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, die einfachste und billigste ist aber mit dem Bus von Kathmandu. Fragt einfach im Hotel nach der Richtung oder sagt eurem Taxifahrer, dass ihr mit dem Bus nach Besisahar wollt. Die meisten wissen Bescheid.

Wie viele km wandern pro Tag?

Es gibt einige Wenige, die wir getroffen haben, die teilweise 25 km pro Tag wanderten. Das halten wir aber für verrückt. Wenn ihr die Zeit habt, nehmt sie euch auch. Lauft langsam und macht viele Pausen, um die Natur zu genießen. Wir haben meist 12 km pro Tag angepeilt. Manchmal wurden es etwas mehr, manchmal weniger, je nachdem, wo das nächste Dorf war.

Ab 3.000 Höhenmetern dürft ihr maximal 500 Meter pro Tag aufsteigen, um eine Höhenkrankheit zu vermeiden. Dementsprechend wird dies ab hier auch eure Distanz einschränken.

Was noch?

Das Wichtigste ist aber Folgendes: Vergesst, was ihr von anderen gehört habt, irgendwo, inklusive hier, gelesen habt und lasst euch nicht verrückt machen. Ja, man sollte den Treck nicht auf die leichte Schulter nehmen, es ist aber auch kein Hexenwerk. Lasst euch Zeit und genießt das Wandern! 🙂

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